Reformationsgottesdienst in Birk – ein Rückblick

Reformationstag 2026

– zentraler Gottesdienst der Ev. Kirchengemeinde Overath, der Ev. Kirchengemeinde Wahlscheid sowie der Ev. Emmaus-Gemeinde in der Ev. Friedenskirche Birk

Erfreulicherweise konnten Pfarrerin Angela Pollmann und Pfarrer Oliver Bretschneider Gottesdienst-Besuchende aus allen 3 Gemeinden begrüßen. Viele kannten sich untereinander, und so konnten wir alle gemeinsam einen wunderschönen Gottesdienst genießen.

Gestartet haben wir mit Martin Luthers „Eine feste Burg“. Ist dieses Lied noch zeitgemäß? Selbstverständlich gab es dazu verschiedene Meinungen unter den Besuchenden, aber das Gros war sich einig – auch wenn es ein von Text und Melodie veraltetes Lied ist, so gehört es doch immer noch zum Reformationstag dazu und sollte gesungen werden.

 Dieses Jahr gab es keine Predigt im allgemeinen Sinne – die beiden Pfarrpersonen beschäftigten sich mit den Themen

  • was lasse ich (dankend) zurück
  • was will ich bewahren
  • was möchte ich verändern

 So sprach Angela Pollmann von den Geburtstagsbesuchen, die sie so gerne macht, es aber zeitlich leider nicht mehr schafft in dem gewünschten Umfang wahrzunehmen. Ihr fehlt der Austausch mit den Seniorinnen und Senioren sowie Nachbarschaft und Familie, die ja auch oft zur Gemeinde gehören.

 

Oliver Bretschneider teilte seine Gedanken darüber, ob wir den Sonntags-Gottesdienst in einer sich wandelnden Kirche noch als Norm ansehen sollten. Ist wirklich alles bewahrenswert, nur weil wir es früher schon so gemacht haben? Der Sonntagsgottesdienst ist nicht mehr der Sammelpunkt für die gesamte Gemeinde. Das sind Fakten, denen wir ins Auge sehen müssen. Bei Kirche sollte es nicht nur um Traditionen gehen, sondern um die Menschen.

Angela Pollmann ließ uns an den Dingen teilhaben, die sie gerne bewahren möchte: Den Blick auf biblische Texte und Worte zu bewahren, gerade weil sie uns in ihrer Sprache und vielleicht auch in ihren Bildern immer fremder werden. Insbesondere junge Menschen helfen die Wahrheit, den Trost und die Hilfe fürs Leben in den Worten zu entdecken – wie einen Schatz im Acker. Solche Worte wie „Du bist für Gott wertvoll“, „Gott liebt Dich wie Du bist“ – gerade in der heutigen Social Media geprägten Zeit eine äußerst wichtige Botschaft für uns alle.

Oliver Bretschneider bestätigte dies: Die Botschaft, dass die Liebe Gottes wirklich allen Menschen gilt, ist auch heute noch radikal. Und manchmal ist es eine echte Herausforderung, an diese Liebe Gottes zu glauben. Da ist es mit dem Vorlesen der alten Geschichten allein oft nicht getan. Aber dieser Widerspruchsgeist gegen die Welt; diese radikale Hoffnung, dass es besser geht; und auch diese Gewissheit der Gegenwart Gottes in unserem eigenen, komplexen, widersprüchlichen Leben – das ist ein uralter Teil des christlichen Glaubens, den wir, finde ich, unbedingt bewahren sollten.

Und was möchten die Pfarrpersonen neu haben?

Angela Pollmann ist der Meinung, dass Kirche sich nur treu bleiben kann, wenn sie sich immer wieder erneuert. Sie möchte mehr Kirche an anderen Orten als in unserem Gemeindehaus und Kirchgebäude erleben.

So, wie Jesus durch die Gegend gezogen ist, um Menschen von Gott zu erzählen und eben nicht an einem Ort und in einem Gebäude geblieben ist. So, wie er seine Jünger losgeschickt hat, immer zu zweit. Sie sollten verkünden und helfen, wo Menschen sie hören und in Anspruch nehmen mögen. Rausgehen, dorthin, wo die Menschen sind.

Mit der Initiative „Stadt.Land.Segen“  in unserem Kirchenkreis überlegen wir das immer wieder neu. Neueste Idee ist, z.B. an einem Sommerferienwochenende auf einer Raststätte präsent zu sein, den Menschen Gottes Segen für ihre Fahrt zuzusprechen, wenn sie mögen, ihnen eine gute Fahrt wünschen, oder am Bahnhof oder wo auch immer. Dorthin gehen, wo die Menschen sind, und ihnen Gutes von Gott mit auf den Weg geben.

Auch Oliver Bretschneider wünscht sich neue Formen der Gemeinschaft

 

Die Kirche hat immer wieder entdeckt – entdecken müssen, entdecken dürfen – dass sehr wichtige Impulse und Gedanken auch aus unerwarteten Richtungen kommen können. In der Vergangenheit vielleicht Befreiungstheologie oder feministische Theologie, oder queere oder rassismuskritische Theologie – oft hat es eine ganze Generation oder länger gedauert, bis sich die Gedanken solcher „neuer“ Theologien – die oft in Wirklichkeit nur die genauere Betrachtung des schon Vorhandenen sind – etabliert hatten.

 

Während und im Anschluss der Worte konnte die Gemeinde auf Kärtchen ihre eigenen Gedanken notieren und an vorbereitete Stellwände pinnen. Auch hier kamen interessante Ansätze zum Vorschein.

Nachdem wir uns alle unter den Segen Gottes gestellt hatten, gab es noch die Möglichkeit zum Austausch bei Brezeln und Kaltgetränken. Ein Dankeschön an Küsterin Swantje Schuhknecht, die dies für uns vorbereitet hatte. Ein Dankeschön geht auch an Klaus Hugger, der den Gottesdienst musikalisch begleitet hat.

Text: Elke Friese

Bilder: Swantje Schuhknecht und Elke Friese